GTO-Pokertheorie: Das Gleichnis vom Fischer
Heute geht es um eine wunderbare Geschichte über Zufriedenheit und Ehrgeiz, neu interpretiert aus der Perspektive der Pokerwelt.

Wer sich für Poker interessiert, bekommt zwangsläufig auch Einblicke in andere Wissens- und Themenfelder wie Wirtschaft, KI, Psychologie und Spieltheorie. Daher gibt es eine neue Artikelreihe, in der ich einige der wichtigsten Themen abdecke, die auch Anwendung beim Spiel finden, das wir alle kennen und lieben.
Ich hatte bis vor kurzem noch nie etwas über das Gleichnis vom Fischer gehört, dann aber mehrere Male in nur kurzer Zeit.
Die Geschichte handelt von einem wohlhabenden Geschäftsmann, der in einem kleinen Dorf einem Fischer begegnet. Nachdem der Fischer genug Fische für den Tag gefangen hatte, entspannte er sich und genoss die Schönheit seiner Umgebung. Der Geschäftsmann wunderte sich über den mangelnden Ehrgeiz des Fischers und darüber, dass der Fischer nicht noch länger arbeiten wollte, um mehr Geld zu verdienen. Er schlug dem Fischer vor, seinen Betrieb auszuweiten: härter zu arbeiten, mehr Fische zu fangen, neue Boote zu kaufen und andere Fischer anzuheuern. Diese Expansion, so argumentierte er, würde zu großem Reichtum und Erfolg führen.
Der Fischer entgegnete aber nur, was denn all dieser Reichtum und Erfolg mit sich bringen würde. Der Geschäftsmann erklärte enthusiastisch, dass er sich dann zur Ruhe setzen, an einem schönen Ort leben, ein wenig fischen, mit seinen Kindern spielen, mit seiner Frau Siesta halten und abends die Gesellschaft von Freunden genießen könne. Ohne dass der Geschäftsmann es wusste, hatte er genau das Leben beschrieben, das der Fischer bereits lebte.
Die Faszination des Gleichnisses vom Fischer liegt in seiner einfachen und doch tiefgründigen Botschaft: Wahre Zufriedenheit findet man oft nicht im unablässigen Streben nach mehr, sondern in der Wertschätzung und Freude an dem, was man bereits hat.
Die Besessenheit vom Stundenlohn

Als ich mir das Gleichnis anhörte, kam ich sofort auf etwas zu sprechen, über das ich schon seit einiger Zeit nachdenke. Eine größtenteils skurrile Beobachtung, in der aber ein Fünkchen Wahrheit steckt.
Poker ist für viele eine Art Zuflucht. Diejenigen, die es als Beruf ausüben, tun dies oft wegen der Freiheiten, die es im Vergleich zu einem Bürojob von 9 bis 17 Uhr mit sich bringt.
Ironischerweise habe ich jedoch beobachtet, dass viele Pokerspieler von ihrem Stundenlohn besessen sind. Sie tun viele Dinge, um diesen geringfügig zu erhöhen, wie das Hinzufügen von Tischen oder die späte Anmeldung bei Turnieren. Oftmals werden auch begangene Fehler versucht, auf den Stundenlohn umzumünzen. Ich kenne Spieler, die Livepoker oft genau deshalb meiden, weil der Stundenlohn so schlecht ist, wenn man die Reisezeit und die damit verbundenen Kosten berücksichtigt.
All das sind sicherlich sinnvolle Strategien, aber ich finde es komisch, weil die Besessenheit vom eigenen Stundenlohn etwas ist, was Menschen mit einem 9-5-Job, der in der Pokerwelt nicht sonderlich beliebt ist, normalerweise auch tun. Einem Arbeitsleben zu entfliehen, in dem man Stunden gegen Geld tauscht, ist genau das, warum viele Spieler zum Pokern kommen.
Ich will damit nicht von solchen Gedankenspielen abraten, aber es hat mich an dieses Gleichnis und auch an das berüchtigte Zitat über Poker erinnert: "Poker ist ein harter Weg, um ein leichtes Leben zu führen".
Welche Theorien, die nicht aus der Pokerwelt stammen, haben eurem Spiel geholfen? Wir freuen uns auf eure Kommentare!