Poker-Grundlagen: Wie funktioniert eigentlich Staking?
Im Sommer lockt die WSOP wieder Pokerfans aus aller Welt nach Las Vegas. Viele wundern sich, wie es manch einem Spielern gelingt, die hohen Buy-ins scheinbar aus der Portokasse zu zahlen.
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Wenn Pokeranfänger bei den hoch dotierten Turnieren auf Twitch mitfiebern, könnten sie leicht den Eindruck gewinnen, dass alle Spieler die enormen Buy-ins aus der Westentasche bezahlen können. Häufig ist das jedoch nicht der Fall. Die meisten professionellen Pokerspieler handeln hierfür im Vorfeld Staking-Deals aus, um bei den hochpreisigen MTTs teilnehmen zu können.
Bei einem Staking-Deal stellt ein Spieler dem anderen Kapital zur Verfügung, um an einem Turnier oder einem Cashgame teilzunehmen. Im Erfolgsfall erhält der Geldgeber daraufhin seine Investitionen zurück sowie einen vereinbarten Teil des Gewinns. Betrachten wir ein Beispiel. Spieler A wendet für Spieler B das Buy-in für ein $100-Turnier auf. Dabei vereinbaren die Spieler, potenzielle Gewinne gerecht zu teilen. Gelingt es Spieler B $1.000 zu gewinnen, gibt er Spieler A zunächst den Einsatz von $100 zurück, daraufhin wird der Profit von $900 geteilt, sodass jeder $450 erhält.
Für Pokerspieler bringen Staking-Deals gleich mehrere Vorteile mit sich. Einige nehmen es mit dem Bankroll-Management nicht allzu genau und können sich die Buy-ins schlichtweg nicht mehr leisten. Anderen wird Druck von den Schultern genommen, wenn sie ihr finanzielles Risiko teilweise abwälzen. Am häufigsten werden Staking-Deals jedoch dafür genutzt, einen Shot auf höhere Limits wagen zu können und dabei gleichzeitig die Varianz zu verringern.
Trotz Shot die Varianz im Zaum halten

Ein erfolgreicher Spieler, der nachhaltig $200-Turniere schlägt, möchte einen Shot auf das $10.000 WSOP Main Event wagen, da bei keinem anderen High-Stakes-Turnier mehr Amateure ihr Glück versuchen. Allerdings erlaubt seine Bankroll ihm nicht, den gesamten Buy-in von $10.000 selbst aufzubringen. Daher verkauft er die Hälfte des Buy-ins an einen Investor. Geht der Plan schief und er scheidet vorzeitig aus, muss er so nur noch einen Verlust von $5.000 verkraften. Dadurch wird dem Spieler Druck genommen, wodurch er an den Tischen deutlich befreiter aufspielen kann. Doch im Falle eines Sieges kann nicht nur der Spieler, sondern auch sein Investor einen Millionengewinn feiern.
Darüber hinaus sind auch längerfristige Deals gängig, bei denen ein Investor dem Spieler eine Bankroll für sämtliche Spielaktivitäten zur Verfügung stellt. Nach einem im Vorfeld vereinbarten Zeitraum werden potenzielle Gewinne gerecht geteilt. Häufig finden längerfristige Deals im Rahmen eines Coachings statt, bei dem der Investor dem Spieler auch strategisch zur Seite steht.
Eventuell auftretende Verluste werden bei Staking-Deals als 'Make-up' bezeichnet. Hat ein Spieler im Rahmen des Stakings einen Verlust von $2.000 zu verbuchen und gewinnt dann $4.000, werden diese $4.000 nicht gleichmäßig aufgeteilt. Zunächst erhält der Investor sein Make-Up in Höhe von $2.000 zurück, erst dann wird der Profit von $2.000 gerecht aufgeteilt. Steckt der gestakte Spieler in einem Downswing, ist es ihm üblicherweise nicht gestattet, einen weiteren Staking-Deal abzuschließen. Auch das Beenden des Deals ist nur zulässig, wenn der Investor zustimmt, sofern noch ein offenes Make-up besteht. In manchen Fällen wird dem Spieler ein Lohn eingeräumt, solange er im Make-up steckt.
Klare Regeln, um Streitigkeiten zu vermeiden

Häufiger werden jedoch Anteile für ein oder mehrere Turniere eines bestimmten Events verkauft. So könnte ein Spieler beispielsweise 20% seiner Teilnahme am $10.000 WSOP Main Event anbieten. Nun entscheidet sich ein anderer Spieler, einen 10%-Anteil am Main Event für $1.000 zu erwerben. Kehrt der Spieler siegreich mit einem Gewinn von $40.000 zurück, erhält der Investor seinen Anteil vom Gewinn in Höhe von $4.000. Verliert der Spieler das Buy-in des Turniers, besteht keine Verbindlichkeit, dem Investor seine Beteiligung zurückzuzahlen.
Ein professioneller Spieler wird seine Anteile üblicherweise mit einem Aufschlag verkaufen, der als Markup bezeichnet wird. Beim obigen Beispiel könnte ein Turnierexperte den Anteil von 10% am $10.000 Main Event mit einem Markup von 1,2 anbieten. Um einen 10%-Anteil zu erwerben, wird hier eine Provision fällig und die Kosten steigen von $1.000 auf $1.200. Markups sind ein umstrittenes Thema in der Pokerwelt, denn ein fairer Wert ist schwierig zu bestimmen.
Eine weitere Form von Staking-Deals sind die sogenannten Swaps, bei denen sich zwei Teilnehmer desselben Turniers einigen, dem anderen einen festgelegten Teil des potenziellen Preisgeldes zu überlassen. Auf diese Weise lässt sich die Varianz abfedern. Außerdem hat der Spieler, der zuerst ausscheidet, auf diese Weise noch ein Pferd im Rennen und dem Unglücksraben wird so eine unterhaltsame Möglichkeit geboten, seinen Partner anzufeuern.
Diese Beschreibungen sollen nur ein grobes Bild skizzieren, wie Staking-Deals ablaufen. Im Großen und Ganzen profitiert die Pokerszene von Staking-Deals, allerdings bergen sie auch ein gewisses Konfliktpotenzial. Doch wenn beide Parteien im Vorfeld klare Regeln festlegen, lassen sich eventuell auftretende Streitigkeiten vermeiden.