Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Poker-Grundlagen: Solver

Heute tauchen wir für unsere Neulinge ab in das Thema Pokersolver. Was ist das überhaupt und was genau kann man von den Tools eigentlich lernen?

BB
Der Postflop-Solver PokerSnowie

Die wohl bedeutendste, aber auch umstrittenste Veränderung im Bereich Online-Poker in den letzten fünf Jahren war der rasante Aufstieg der Solver. Aber was genau ist das eigentlich?

Ein Solver ist eine Software, mit der Pokerhände simuliert und die dafür optimalen mathematischen Lösungen berechnet werden können. Dabei werden zum Beispiel Fragen beantwortet wie: "Mit welchen Händen sollte ich callen?", "Welche Hände hingegen sollte ich raisen?" und "Welches Betsizing ist das optimale Play?".

Zum einen gibt es Preflop-Solver, die für jede Position und jede Stackhöhe die besten Starthände berechnen können. Des Weiteren gibt es ICM-Solver, mit denen man an der Bubble, in der späten Turnierphase und am Final Table profitable Push/Call-Ranges kalkulieren kann. Zuletzt gibt es auch noch Postflop-Solver, die zeigen, wie eine Hand optimal am Flop, Turn und River gespielt wird.

Auf der einen Seite klingt ein solches Arsenal an Tools für mathematisch optimale Lösungen natürlich beängstigend, auf der anderen Seite aber auch sehr faszinierend. Entsprechend hat der Aufstieg von Solvern die Pokerwelt durchaus gespalten, wenn auch in vielen Fällen unnötig. 

Wenig zu fürchten, viel zu lernen

Um es klar zu sagen: Mit Solvern wird nicht betrogen. Diese Programme werden abseits der Tische als Lernmittel eingesetzt, um die eigenen Fähigkeiten am Pokertisch weiterzuentwickeln – nur in einer deutlich fortgeschritteneren Art und Weise, wie wir es bisher gewohnt waren.

BB
Auch für Preflop-Spots gibt es Solver, wie zum Beispiel den ICMIZER

Betrug stellt die Arbeit mit einem Solver nur dann dar, wenn das Tool für sogenannte Real Time Assistance genutzt wird, also Unterstützung in Echtzeit am Pokertisch, um spieltheoretisch die optimale Aktion zu finden. Entsprechend wird die Nutzung derartiger RTA-Solver als Bedrohung für die Integrität der Online-Partien wahrgenommen und die Sicherheitsabteilungen der Pokerräume arbeiten hart an der Aufspürung, wenn ein Solver in dieser Form während des Spielens eingesetzt wird.

Die meisten Solver basieren auf einer spieltheoretisch optimalen Strategie (GTO). Der Solver nimmt dabei an, dass alle involvierten Spieler ebenfalls spieltheoretisch korrekt agieren. Die Resultate spiegeln allerdings nicht wider, wie man am profitabelsten spielt, sondern vielmehr, wie man nicht exploitet werden kann, das heißt, das eigene Spiel so gestaltet, dass es für einen Gegner nicht angreifbar ist. Bei einigen Solvern kann man die Strategie des Gegners aber auch so anpassen, wie er tatsächlich spielen würde, anstatt bei jedem Gegner ein spieltheoretisch optimales Spiel zu unterstellen.

Auf keinen Fall das Allheilmittel

Eine der größten Limitierungen und der Grund, warum der Aufstieg von Solvern niemandem schlaflose Nächte bereiten sollte, ist allerdings, dass die Tools im Grunde nur theoretische Musterbeispiele mit vollständigen Informationen anstatt einer tatsächlichen Pokersituation kalkulieren. Der Solver benötigt für seine Arbeit stets genaue Details wie die Ranges oder Betsizes der Gegner. Selbst minimale Ungenauigkeiten können dazu führen, dass das Resultat falsch oder unbrauchbar wird.

Generell ist die Einstiegshürde für die Nutzung von Solvern recht hoch, denn nicht wenige der Tools erfordern einen leistungsstarken und schnellen Computer, sind nicht einfach zu bedienen und die Resultate sind für einen Anfänger oft sehr schwer zu interpretieren. 

Durch die spannenden Einblicke in die Welt der optimalen Spieltheorie haben Solver das Spiel allerdings zweifellos verändert, dabei aber auch deutlich interessanter gemacht und das trotz vieler Kritiker. Man sollte sich vor Solvern als Spieler also nicht fürchten, sondern den Tools eher offen gegenüberstehen, denn es gibt jede Menge zu lernen!

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