Poker-Grundlagen: Donkbets
Ist man wirklich der Esel, wenn man out of Position gegen den Aggressor der vorherigen Street eine Bet abfeuert? Heute geht es um die nicht mehr unumstrittene Donkbet...

Man muss kein Sprachgenie sein, um zu bemerken, dass der Begriff Donkbet beim Poker ursprünglich abwertend verwendet wurde, da Donkey für einen Menschen steht, der sich zum Esel macht.
Bei der Donkbet handelt es sich im Kern um eine unerwartete oder riskante Bet eines Spielers in einen Gegner hinein, der zuvor eigentlich der Aggressor war. Beispiel: Wir checken, der Gegner setzt eine Continuation Bet am Flop und wir gehen mit. Am Turn sind wir als erstes an der Reihe. Setzen wir in dieser Situation, anstatt zu checken, spricht man vom Donken des Turns.
Aber ist eine Donkbet wirklich so schlecht, wie der Name vermuten lässt, oder gibt es Situationen, in denen auch das Donken Sinn macht?
Donk Do's und Donk Dont's

Donkbets sind in der Regel keine gute Idee, weil sie einen Informationsnachteil mit sich bringen. Out of Position, weiß man nicht, wie der Gegner handeln wird, daher ist das Checken der vorsichtigere Ansatz. Eine Bet ohne Informationen macht einen anfällig und gibt dem Gegner wiederum eine Information.
Wenn man eine gute Hand hat, erlaubt eine Donkbet dem Gegner zu folden und günstig auszusteigen. Viele erfahrene Spieler setzen aber selbst, wenn zu ihnen gecheckt wird, sodass man mit einer Donkbet im Grunde häufig auf eine eigentlich garantierte Bet des Gegners verzichtet. Ein Check/Raise ist in solch einer Situation für gewöhnlich die bessere Strategie.
Viele Spieler donken zudem nur mit starken Händen, was dazu führt, dass die eigene Checkingrange in der Regel nur schwache Hände enthält. Wenn starke Hände nie gecheckt werden, können das erfahrene Spieler bestens exploiten, indem sie schlicht immer setzen, wenn man zu ihnen checkt.
Immer macht man sich aber nicht zum Esel, denn es gibt auch Gründe, die für eine Donkbet sprechen. Der vielleicht wichtigste ist, um zu verhindern, dass ein Gegner einfach behindcheckt, also ein Check von uns mit einem eigenen Check beantwortet. So wird häufig nach Scarecards, die einen Draw vervollständigen, sogar ein Top Pair in Position gecheckt – in solch einem Spot ist das Donken eine gute Möglichkeit, Value von derartigen Hände zu bekommen, von denen sich ein Gegner schwieriger trennen kann.
Ein weiterer Grund für eine Donkbet liegt vor, wenn sich der Range-Vorteil zu unseren Gunsten ändert. Wenn beispielsweise ein offensichtlicher Draw möglich wird und man mehr Flushdraws in seiner Range hat als der Gegner, ist das ein guter Zeitpunkt für einen Bluff. Auch hier ist es wahrscheinlicher, dass der Gegner in solch einem Spot seine Aggression zurückfährt und häufiger behindcheckt.
Donkbets sind also nicht nur sinnlose Aktionen von Eseln am Pokertisch, für die man sie lange Zeit gehalten hat. Allerdings ist es wichtig, sich bewusst zu machen, wann man sich die einst belächelten Bets sinnvoll zunutze machen kann.