Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

GTO-Pokertheorie: Das Region-Beta-Paradoxon

Das Region-Beta-Paradoxon öffnet all denjenigen die Augen, die erst nach einem kräftigen Downswing die Motivation finden, aktiv an ihrem Spiel zu arbeiten.

Wer sich für Poker interessiert, bekommt zwangsläufig auch Einblicke in andere Wissens- und Themenfelder wie Wirtschaft, KI, Psychologie und Spieltheorie. Daher gibt es eine neue Artikelreihe, in der ich einige der wichtigsten Themen abdecke, die auch Anwendung beim Spiel finden, das wir alle kennen und lieben.

Das Region-Beta-Paradoxon beschreibt die Tatsache, dass Menschen häufig dazu neigen, unangenehme Situationen bis zu einer bestimmten Schwelle zu tolerieren, anstatt die Umstände aktiv zu ihren Gunsten umzugestalten. Paradoxerweise kann das Tolerieren dieser lästigen Situationen schlimmere Auswirkungen haben als wirklich gravierende Ereignisse, da sie nicht ausreichen, Veränderungen anzustoßen.

Das nach dem statistischen Begriff "Beta" benannte Region-Beta-Paradoxon wurde von Dan Gilbert, dem Autor von "Stumbling on Happiness", geprägt. Gilbert illustrierte dieses Paradoxon anhand einer einprägsamen Analogie. Auf dem Weg zur Arbeit neigen Menschen dazu, einen längeren und anstrengenderen Fußweg auf sich zu nehmen, anstatt sich für eine schnellere und bequemere Fahrradfahrt zu entscheiden, solange die Unannehmlichkeiten des Gehens als akzeptabel empfunden werden.

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Das Paradoxon tritt auf, wenn wir an gewohnten Annehmlichkeiten festhalten, obwohl uns die Möglichkeiten, eine größere Zufriedenheit zu erreichen, bewusst sind. Dabei begnügen wir uns mit einem hinnehmbaren Zustand und verzichten im Zuge dessen auf wahre Zufriedenheit.

Diese Inkonsistenz zeigt sich in verschiedenen Lebensbereichen. So kommt es häufig vor, dass Menschen in einer Beziehung leben, die Komfort und Stabilität bietet, ohne dabei wahre Liebe zu verspüren. Vermutlich fällt jedem dazu ein Beispiel aus seinem Umfeld ein. Andere genießen zwar die Vorzüge eines gut bezahlten Jobs, während das Gefühl der Erfüllung durch herausfordernde Aufgaben auf der Strecke bleibt. Wir fühlen uns in gewisser Weise gefangen, obwohl unsere Umstände noch nicht zwangsläufig prekär sind.

Das Warten auf die Krise 

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Jared Tendler

Obwohl ich erst kürzlich auf dieses Konzept gestoßen bin, konnte ich es sofort mit den Gesprächen, die ich mit Jared Tendler geführt habe, in Verbindung bringen.

Als renommierter Mentalcoach hat er bereits mit Hunderten von Pokerspielern zusammengearbeitet und festgestellt, dass viele von ihnen erst einen erheblichen Downswing erleben müssen, um motiviert zu werden. Viele vernachlässigen sowohl ihr Spielvolumen als auch die Arbeit abseits der Tische, bis sie zwangsläufig von einer Pechsträhne wachgerüttelt werden. 

Nach Tendler ist das "Warten auf die Krise" keine besonders gesunde Strategie, denn diese Vorgehensweise geht mit beträchtlichen Verlusten einher, bis man schließlich bereit ist, die Probleme anzugehen.

Dabei spricht er sich deutlich für die Entwicklung einer kontinuierlichen und stabilen Motivation aus, anstatt den Antireb aus den Höhen und Tiefen der nervenaufreibenden Swings zu schöpfen.

Das Verständnis des Region-Beta-Paradoxons ermöglicht es uns, einen umfassenderen Blick auf unsere Situation zu werfen, um zu erkennen, wie scheinbar unbedeutende Probleme, ungelöst, über einen längeren Zeitraum hinweg zu gravierenden Schwierigkeiten heranwachsen können.

Welche Theorien, die nicht aus der Pokerwelt stammen, haben eurem Spiel geholfen? Wir freuen uns auf eure Kommentare!

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