Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

GTO-Pokertheorie: Defensiver Pessimismus

Wenn man davon ausgeht, dass ein großer Abwärtstrend bevorsteht, ist man an den Pokertischen deutlich besser vorbereitet als die rosaroten Optimisten.

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Ein Pessimist wird nie enttäuscht

Wer sich für Poker interessiert, bekommt zwangsläufig auch Einblicke in andere Wissens- und Themenfelder wie Wirtschaft, KI, Psychologie und Spieltheorie. Daher gibt es eine neue Artikelreihe, in der ich einige der wichtigsten Themen abdecke, die auch Anwendung beim Spiel finden, das wir alle kennen und lieben.

Defensiver Pessimismus ist eine psychologische Strategie, bei der Menschen mit Ängsten umgehen, indem sie niedrige Erwartungen setzen und sich gedanklich auf mögliche Hindernisse vorbereiten. Weit davon entfernt, eine Form von Defätismus zu sein, kann dieser Ansatz ein kraftvolles Werkzeug für den Erfolg sein – insbesondere für jene, die von Natur aus ängstlich sind oder dazu neigen, zu viel nachzudenken.

Geprägt wurde der Begriff von der Psychologin Julie Norem. Defensiver Pessimismus bedeutet, dass man sich Worst-Case-Szenarien vorstellt, um daraus konkrete Handlungspläne zu entwickeln. Diese mentale Vorbereitung reduziert Unsicherheit, erhöht das Gefühl von Kontrolle und verbessert die Leistung. Ein Student könnte sich zum Beispiel vorstellen, durch eine Prüfung zu fallen, und deshalb besonders fleißig lernen, um dieses Ergebnis zu vermeiden. Die Angst wird zur Antriebskraft statt zum Hindernis.

Auch wenn diese Denkweise in einer Kultur, die Optimismus und Selbstvertrauen propagiert, kontraintuitiv erscheinen mag, zeigen Studien, dass defensive Pessimisten oft genauso gute oder bessere Leistungen erbringen als ihre optimistischeren Kollegen. Es funktioniert nicht, weil sie mit Misserfolg rechnen, sondern weil sie ihre Sorgen produktiv nutzen.

Bereite dich auf das Schlimmste vor

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Schlimmer geht immer...

Es mag nach einer schrecklichen Lebensweise klingen, aber ich denke, ein wenig defensiver Pessimismus kann für Pokerspieler durchaus nützlich sein.

Wer lange genug dabei ist, weiß, dass Downswings unvermeidlich und häufig brutal sind. Man musst davon ausgehen, dass ein Downswing kommt – und dann kann man sich freuen, wenn es nicht so kommt.

Sich darauf vorzubereiten ist deutlich besser, als so zu tun, als würden es nie passieren. Ich sah letzte Woche einen Tweet von Chance Kornuth, der das indirekt perfekt zusammenfasste:

Wenn Spieler bisher nur gewonnen haben – was bei den meisten am Anfang der Fall ist – dann kann ein plötzlicher Downswing anfühlen, als würde man den Boden unter den Füßen verlieren. Das bedeutet nicht, dass man nicht auf das Beste hoffen darf – aber es ist hilfreich, auch auf das Schlimmste vorbereitet zu sein.

Poker ist das einzige Spiel, in dem selbst die besten Spieler der Welt mehr Verlust- als Gewinn-Tage haben. Man sollte also vorbereitet sein.

Welche Theorien außerhalb der Pokerwelt haben euch geholfen? Lasst es uns in den Kommentaren wissen.

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