Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

GTO-Pokertheorie: Der Normalitätsbias

Wenn noch nichts Schlimmes passiert ist, bereiten wir uns auch nicht darauf vor - ein Grund, warum viele Pokerspieler nicht auf einen Downswing vorbereitet sind.

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Denkst du, alles ist normal?

Wer sich für Poker interessiert, bekommt zwangsläufig auch Einblicke in andere Wissens- und Themenfelder wie Wirtschaft, KI, Psychologie und Spieltheorie. Daher gibt es eine neue Artikelreihe, in der ich einige der wichtigsten Themen abdecke, die auch Anwendung beim Spiel finden, das wir alle kennen und lieben.

Der Normalitätsbias ist eine "mentale Abkürzung", durch die wir glauben, dass Dinge weiterhin so ablaufen wie bisher. Wenn bisher nichts Schlimmes passiert ist, neigen wir dazu, anzunehmen, dass es auch in Zukunft so bleibt. Dieses Denkmuster gibt uns ein Gefühl von Sicherheit und hilft, Panik zu vermeiden – es kann uns jedoch auch daran hindern, uns auf reale Gefahren vorzubereiten.

Im Kontext von Risiken führt der Normalitätsbias dazu, dass Menschen Warnsignale ignorieren. Wenn ein Unternehmen beispielsweise noch nie Ziel eines Cyberangriffs war, gehen die Verantwortlichen womöglich davon aus, dass sie sicher sind und investieren nicht in bessere Sicherheitsmaßnahmen. Wenn es dann doch zu einem Angriff kommt, sind sie völlig unvorbereitet. Dasselbe gilt für Naturkatastrophen, Finanzkrisen oder persönliche Gesundheitsprobleme. Oft handeln Menschen erst wenn es bereits zu spät ist.

Um Risiken angemessen zu managen, ist es wichtig, dieser Voreingenommenheit entgegenzuwirken. Nur weil etwas bisher nicht passiert ist, heißt das nicht, dass es in Zukunft nicht eintreten kann. Eine gute Risikostrategie blickt über die jüngere Vergangenheit hinaus und fragt: „Was könnte schiefgehen und ob man darauf vorbereitet ist?“ Das Planen für unwahrscheinliche Ereignisse mag übertrieben wirken, doch es macht oft den entscheidenden Unterschied, wenn das Unerwartete eintritt.

Varianz?

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Werden die guten Zeiten ewig andauern?

Ich glaube, dass alle Pokerspieler, mich eingeschlossen, das Gefühl haben, dass unsere aktuelle Situation für immer so bleiben wird. Ob wir nun gut oder schlecht spielen, das wird zur neuen Normalität. Wir sind einfach nicht sonderlich gut darin, mit Varianz umzugehen.

Das beste Beispiel dafür stammt für mich aus einem Interview mit der Pokerlegende Barry Greenstein bei 'Poker Road'. Dort ging es darum, dass Joe Hachem sich über einen Downswing beklagte, obwohl er gerade erst das Main Event gewonnen hatte.

Greenstein merkte an, dass Main-Event-Gewinner unter einem Normalitätsbias leiden: Sie gehen davon aus, dass ein Erfolg beim größten Turnier der Welt der Normalzustand sei. Wenn sie dann die andere Seite der Varianz erleben, die wir alle gut kennen, kommen sie damit nicht klar.

Der Bias funktioniert auch andersherum. Ich selbst durchlebe aktuell einen Downswing und bin nun breakeven auf das Jahr 2025 gesehen. Deshalb „rechne“ ich mittlerweile mit Bad Beats, mit verpassten Finaltischen und bin nicht überrascht, wenn ich einen Coinflip verliere. Auch wenn das nicht der Realität entspricht, fühlt es sich im Moment ganz normal an.

Gefährlicher ist es jedoch in die andere Richtung: Wenn Spieler früh positive Erfahrungen machen, überschätzen sie oft, wie gut ihr Run in der Zukunft sein wird.

Welche Theorien außerhalb des Pokerspiels haben euch beim Spiel geholfen? Teilt es mit uns in den Kommentaren.

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