Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

GTO-Pokertheorie: Bonhoeffers Theorie der Dummheit

Obwohl unberechenbare Maniacs wahre Goldesel am Pokertisch sind, kann das Spiel gegen sie Fluch und Segen zugleich sein.

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Wer sich für Poker interessiert, bekommt zwangsläufig auch Einblicke in andere Wissens- und Themenfelder wie Wirtschaft, KI, Psychologie und Spieltheorie. Daher gibt es eine neue Artikelreihe, in der ich einige der wichtigsten Themen abdecke, die auch Anwendung beim Spiel finden, das wir alle kennen und lieben.

Dietrich Bonhoeffer war ein deutscher Theologe und Pastor, der nicht nur durch seine theologischen Beiträge bekannt wurde, sondern auch durch seinen mutigen Widerstand gegen das Nazi-Regime während des Zweiten Weltkriegs in Erinnerung blieb. Darüber hinaus entwickelte Bonhoeffer die Theorie der Dummheit, in der er "Dummheit als Sünde" bezeichnete.

Laut Dietrich Bonhoeffer kann Dummheit gefährlicher sein als Bosheit, da sie schwerer zu bekämpfen ist. Während es möglich ist, gegen böswillige Individuen anzugehen, sind dumme Menschen häufig nicht empfänglich für rationale Argumente und könnten dadurch alle Versuche, gegen sie zu protestieren oder sich gegen sie zu wehren, ignorieren. Als Resultat sind Menschen, die in ihren engstirnigen Perspektiven gefangen sind und sich weigern, alternative Standpunkte zu akzeptieren, besonders schwer zu überzeugen.

"Gegen die Dummheit sind wir wehrlos. Weder Protest noch Gewalt vermag etwas auszurichten. Argumente verhallen ungehört. Tatsachen, die dem eigenen Vorurteil widersprechen, brauchen einfach nicht geglaubt zu werden – in solchen Fällen wird der Dumme sogar kritisch – und wenn sie unausweichlich sind, können sie einfach als nichtssagende Einzelfälle beiseitegeschoben werden. Dabei ist der Dumme im Unterschied zum Bösen restlos mit sich selbst zufrieden; ja, er wird sogar gefährlich, indem er leicht gereizt zum Angriff übergeht. Daher ist dem Dummen gegenüber mehr Vorsicht geboten als gegenüber dem Bösen. Niemals werden wir mehr versuchen, den Dummen durch Gründe zu überzeugen; es ist sinnlos und gefährlich." — Dietrich Bonhoeffer

Bonhoeffer stellte die These auf, dass erst die Dummheit den Weg für Hitlers Aufstieg ebnete. In der Gegenwart scheinen einige der übertriebenen Reaktionen auf Themen wie COVID, den Klimawandel oder unerwartete Wahlausgänge zu diesem Muster zu passen. 

Die Range des Narren

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Natürlich sind die oben genannten Beispiele alle äußerst ernster Natur. Ohne diese Themen verharmlosen zu wollen, lassen sich doch einige Parallelen zum Pokerspiel ziehen, denn gegen dumme Kontrahenten ist es in gewisser Weise schwieriger zu spielen.

Ein schwächerer Regular spielt in der Regel vorhersehbarer, sodass man ihm recht zuverlässig eine Range zuweisen kann. Auf einem Flop mit 2-7-K muss man sich in einem 3-Bet-Pot beispielsweise keine Gedanken darüber machen, ob der Gegner ein Bottom Pair halten könnte. Bei einem kaum einzuschätzenden Maniac hingegen ist alles möglich.

In unserem Buch Poker Satellite Strategy zeigen wir, dass es in extremen ICM-Situationen oft am schwierigsten ist, gegen besonders schwache Spieler zu spielen, da sich ihre Range kaum eingrenzen lässt. Um die Blinds zu stehlen, ist es ratsamer, einen versierten Regular anzugreifen, der sich bewusst ist, dass er meistens folden sollte. Gegen Spieler, die keinerlei Kenntnisse von ICM-Dynamiken haben und sich schnell in 89s verlieben, sollte man in solchen Situationen einen großen Bogen machen.

Natürlich wünschen wir uns genau diese Art von Spielern an den Tischen. Allerdings birgt das Spiel gegen solche Kandidaten gewisse Risiken, die gegen erfahrenen Regulars nicht auftreten. 

Welche Theorien, die nicht aus der Pokerwelt stammen, haben eurem Spiel geholfen? Wir freuen uns auf eure Kommentare!

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