GTO-Pokertheorie: Die Heuristik des Zögerns
Wenn es kein klares Ja ist, sollte es ein klares Nein sein. Lässt sich diese Theorie auch beim Poker umsetzen, sodass ein fraglicher Call zu einem klaren Snapfold wird?

Wer sich für Poker interessiert, bekommt zwangsläufig auch Einblicke in andere Wissens- und Themenfelder wie Wirtschaft, KI, Psychologie und Spieltheorie. Daher gibt es eine neue Artikelreihe, in der ich einige der wichtigsten Themen abdecke, die auch Anwendung beim Spiel finden, das wir alle kennen und lieben.
Die "Heuristik des Zögerns" von Naval Ravikant (den wir schon einmal vorgestellt hatten) ist eine praktische Faustregel für die Entscheidungsfindung in einer Welt, in der es eine Fülle von Optionen gibt. Diese Heuristik vereinfacht die Entscheidungsfindung, insbesondere bei langfristigen oder wichtigen Entscheidungen, indem sie besagt, dass die Antwort "Nein" lauten sollte, wenn man zögert oder sich nicht entscheiden kann.
Diese Methode gilt als besonders nützlich für "langfristige Entscheidungen", also für Entschlüsse, die ein hohes Maß an Sicherheit erfordern, da sie langfristige Auswirkungen haben. Beispiele hierfür sind die Gründung eines Unternehmens, das Eingehung einer Beziehung oder der Umzug in eine neue Stadt - alles Entscheidungen, die einen über einen längeren Zeitraum binden können.
Ganz einfach: Wenn man mit einer Entscheidung zögert, ist man offensichtlich nicht restlos von einer Idee überzeugt und sollte sie sie ablehnen.
Kein Snap Call? Dann ist es vielleicht ein Fold...

Diese Theorie lässt sich leicht auf eine Situation beim Poker anwenden, nämlich dann, wenn das Turnierleben auf dem Spiel steht. Insbesondere wenn die verspätete Anmeldung abgelaufen ist oder der ICM-Druck sehr hoch.
Wenn man glaubt, dass man vorne liegt, sollte man natürlich mitgehen. Aber wenn man den Verdacht hat, im Hintertreffen zu sein, einfach folden. Diese Heuristik kann angewendet werden, wenn man sich zwischen einem Call oder einem Fold nicht entscheiden kann und auf einen Coinflip hofft.
Die „Hesitation Heuristic“ ist eine gute Entscheidungshilfe für enge Situationen: In knappen Spots ist ein Fold der kleinere Fehler, denn man hat immer noch die Chance, seinen Stack auszubauen oder das Turnier zu gewinnen. Das ist aber nicht der Fall, wenn man einen schlechten Call macht und ausscheidet – außer man hat Glück und suckt den Gegner aus.
Dieser Ratschlag mag in einem Cash Game schrecklich sein, aber in einem Turnier, in dem Überleben eine wichtige Fähigkeit ist, ist es das kleinere Übel. Wenn man zögert... einfach folden!
Welche Theorien, die nicht aus der Pokerwelt stammen, haben eurem Spiel geholfen? Wir freuen uns auf eure Kommentare!