Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

GTO-Pokertheorie: Die Lernpyramide

Ein Konzept aus der Lernpsychologie verdeutlich, warum aktives und erlebnisorientiertes Lernen der Schlüssel zu einer höheren Merkleistung ist.

Wer sich für Poker interessiert, bekommt zwangsläufig auch Einblicke in andere Wissens- und Themenfelder wie Wirtschaft, KI, Psychologie und Spieltheorie. Daher gibt es eine neue Artikelreihe, in der ich einige der wichtigsten Themen abdecke, die auch Anwendung beim Spiel finden, das wir alle kennen und lieben.

Die Lernpyramide, auch als Lernkegel bekannt, ist ein Modell, das die Effektivität verschiedener Lernmethoden vergleicht und dabei illustriert, wie hoch das Erinnerungsvermögen bei bestimmten Arten des Lernens ist. Dieses wegweisende Konzept wurde in den 1960er Jahren vom renommierten NTL Institute in Bethel, Maine, entwickelt und veranschaulicht, dass Menschen je nach Lehrmethode unterschiedliche Mengen an Informationen behalten können. Die effektivsten Methoden, wie das Unterrichten anderer oder die unmittelbare Anwendung des Gelernten, finden sich an der Basis der Pyramide.

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Die Lernpyramide ist in mehrere Ebenen unterteilt, die jeweils eine bestimmte Lernmethode und die dazugehörige durchschnittliche Merkfähigkeit repräsentieren. Die Ebenen gliedern sich folgt:

  • Unterrichten / unmittelbare Anwendung des Gelernten (90% Merkfähigkeit): Wenn Lernende anderen Wissen vermitteln oder das Gelernte unmittelbar anwenden, merken sie sich in der Regel etwa 90% der Informationen. Diese hohe Quote resultiert aus den kognitiven Leistungen, die notwendig sind, um den erworbenen Inhalt gut verständlich zu erklären.
  • Lernen durch Praxis (75% Merkfähigkeit): Lernende, die sich durch praktische Übungen mit dem Material auseinandersetzen, können sich etwa 75% der Informationen merken. Das Gelernte in der Praxis umzusetzen, verankert Wissen stärker als passive Lernmethoden.
  • Diskussionsgruppen (50% Merkfähigkeit): Der Austausch von Ideen und Standpunkten in einer Diskussionsgruppe festigt das Gelernte und führt zu einer Merkfähigkeit von etwa 50%.
  • Vorführung (30% Merkfähigkeit): Visuelles und erfahrungsorientiertes Lernen, beispielsweise durch das Beobachten von Experimenten, unterstützt das Verständnis und die Merkfähigkeit mit einer Effizienz von etwa 30%.
  • Audiovisuelles Lernen (20% Merkfähigkeit): Audiovisuelle Methoden tragen zu einer Merkfähigkeit von etwa 20% bei. Die Kombination von Bild und Ton schafft ein ansprechenderes Lernerlebnis als rein textbasiertes Material.
  • Lektüre (10% Merkfähigkeit): Obwohl das Lesen eine verbreitete Lernmethode ist, führt diese passive Art des Lernens zu einer geringen Merkfähigkeit von nur 10%. Sie sollte stets durch andere Methoden verstärkt werden.
  • Vorlesung (5% Merkfähigkeit): An der Spitze der Pyramide ergibt sich bei traditionellen Vorlesungen eine ernüchternde Merkfähigkeit von lediglich 5%. Die passive und oft wenig ansprechende Gestaltung von Vorlesungen erschwert es den Studierenden, die präsentierten Informationen zu behalten.

Diese Prozentangaben sind Durchschnittswerte und können je nach den individuellen Fähigkeiten, dem Interesse und dem Fachgebiet des Lernenden variieren.

Aktives Lernen

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Selbst zu streamen fördert den Lernprozess

Die Lernpyramide mag nicht für jeden Einzelnen gleichermaßen gelten, doch vermutlich werden viele Leser ihre eigenen Lernerfahrungen in Bezug auf Poker wiedererkennen. 

Wir alle finden Vorlesungen langweilig, und als Autor von sieben Büchern fällt es mir nicht leicht, das zuzugeben. Doch es gibt einen Grund, warum Pokerbücher und Videos an Popularität verloren haben. Die meisten Menschen nutzen Twitch vermutlich hauptsächlich zur Unterhaltung. 

Diskussionsgruppen, sei es in Foren oder bei Discord, erweisen sich weiterhin als beliebte Methode, das Spiel zu erlernen. Hier gestaltet sich der Lernprozess besonders aktiv und zielgerichtet.

Wie Solver die Lernroutinen revolutionieren

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Bücher zu schreiben könnte effektiver sein als sie zu lesen

Aufgrund ihrer praxisnahen Ausrichtung hat sich moderne Pokersoftware zweifellos als führende Lernmethode etabliert. Mithilfe von Tools wie Poker Scientist oder PokerSnowie können nicht nur Situationen simuliert, sondern auch gespielte Hände analysiert werden. Dadurch erzielt man einen praktischen Übungseffekt und erhält direktes Feedback.

Es ist absolut nachvollziehbar, warum das Unterrichten einen so hohen Stellenwert in der Lernpyramide einnimmt. Jeder Pokercoach wird bestätigen, dass der Unterrichtsprozess ihr eigenes Spiel erheblich verbessert. Auch Twitch-Streamer scheint es anzuspornen, vor Publikum zu spielen. Mir persönlich haben die umfassenden Recherchen für meine Bücher enorm geholfen. Wer andere unterrichtet, wird dabei auch schnell seine eigenen Wissenslücken aufdecken, sobald er bei anspruchsvollen Fragen ins Straucheln gerät. 

Mach dir keine Sorgen, falls die Lernpyramide im Widerspruch zu deinen persönlichen Erfahrungen steht. Im Idealfall kann dieses Konzept jedoch dazu anregen, gezielt effektivere Lernmethoden in deine persönlichen Routinen zu integrieren.

Welche Theorien, die nicht aus der Pokerwelt stammen, haben eurem Spiel geholfen? Wir freuen uns auf eure Kommentare!

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